Wer waren die Etrusker?

— Toscana – der Name dieser Landschaft erinnert noch heute an jenes Volk, das in der Antike dort lebte: die Tusci oder Etrusci wie die Römer die Etrusker nannten.

Woher kamen die Etrusker? Darüber waren sich selbst antike Gelehrte nicht einig: Waren sie Ureinwohner Italiens oder Einwanderer aus Kleinasien, von der heutigen Westküste der Türkei? Diese Frage konnte auch die moderne Wissenschaft bisher nicht lösen. Sicher ist: Sie lebten vom 10. bis 1. Jahrhundert v. Chr. in Mittelitalien, auf dem Boden der heutigen Toskana, Latiums, Umbriens, der Emilia-Romagna und Teilen Kampaniens.

Den Etruskern verdanken wir die erste Hochkultur Italiens. Was wir über sie wissen, stammt aus der Feder nicht immer wohlgesonnener Nachbarn, der Griechen und Römer. Da wird von trinkfesten Frauen, fetten Männern und ausschweifenden Gelagen gesprochen. Andererseits werden die Etrusker auch als mächtig, göttergläubig und als religiöse Experten bezeichnet. Ihr kulturelles Erbe, wie faszinierende Wandmalereien, monumentale Grabbauten und prachtvolle Grabbeigaben ermöglicht Einblicke in ihre vielfältige Alltagskultur mit hoher Lebensqualität.

„ … uraltes und aufgrund der Sprache und der Gebräuche von allen anderen sich unterscheidendes Volk.“

Dionysios von Halikarnassos I 30

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Etrurien und seine Städte

— Die Bevölkerung Etruriens wohnte in der frühen Villanovazeit (9.–8. Jahrhundert v. Chr., eisenzeitliche Kultur) in kleineren Ansiedlungen. Nach stetigem wirtschaftlichem Wachstum entwickelten sich diese etwa bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. zu etruskischen Städten.

Die Städte hatten eine eigene politische Verwaltung und waren wirtschaftlich und militärisch unabhängig. Deshalb nennt man sie Stadtstaaten. Das heißt, es bestand nie ein einziges großes Etruskerreich, sondern es existierten verschiedene etruskische Stadtstaaten mit den ihnen zugehörigen Gebieten. Im Kernland der Etrusker zwischen Arno und Tiber gab es ein dichtes Netz solcher Stadtstaaten, das mit der Erweiterung des etruskischen Einflussgebietes im Norden und Süden größer wurde.

Wichtige Metropolen schlossen sich zu einem Zwölfstädtebund zusammen. Es handelt sich dabei um eine Interessensgemeinschaft, die sich regelmäßig in einem Heiligtum, dem berühmten Fanum Voltumnae in Orvieto traf und wohl zu religiösen, vielleicht auch politischen Themen abstimmte.

Cortona

Die auf einer Anhöhe strategisch günstige gelegene Stadt Cortona erlebte ihre größte Blüte in hellenistisch-römischer Zeit. Die mehr als 2 km lange Stadtmauer (5./4. Jh. v. Chr.) scheint in ihrem Verlauf nahezu identisch mit der darüber liegenden mittelalterlichen Stadtmauer gewesen zu sein. Sie ist heute noch an mehreren Stellen sichtbar. Eines der bedeutendsten etruskischen Schriftzeugnisse, die sog. Tabula Cortonensis – ein privater Vertrag auf einer Bronzetafel – stammt aus dieser Stadt.
Fiesole

Die etruskische Stadt Fiesole entwickelte sich aus dem Zusammenschluss mehrerer kleiner Ansiedlungen. Diese lagen auf einem ausgedehnten, ebenen Höhenzug, der seit der frühen Eisenzeit kontinuierlich besiedelt wurde. Noch heute können Sie hier Reste der etruskischen Stadtmauer sowie eines Tempels (beides 4./3. Jahrhundert v. Chr.) entdecken. Von Fiesole aus genießt man einen wunderschönen Ausblick auf das jüngere Florenz.
Marzabotto

Marzabotto gilt als die am besten erforschte etruskische Stadt und zeichnet sich besonders durch das rechtwinklige Straßensystem und die daran ausgerichteten Wohnblöcke aus. Die Stadt nahm eine Vorreiterrolle bei der Urbanisierung Etruriens ein. Sehr selten bei den Etruskern sind Handwerksstücke aus Marmor, jedoch wurde der Kopf einer Jünglingsstatue aus diesem Stein in Marzabotto gefunden. Importiert oder von einem griechischen Bildhauer vor Ort angefertigt, war es eine exquisite Rarität.
Arezzo

Aus einer kleinen landwirtschaftlich geprägten Siedlung in archaischer Zeit (6. Jh. v. Chr.) entwickelte sich Arezzo zu einem bedeutenden Zentrum und wichtigen Verkehrsknotenpunkt Nordostetruriens. Erst ab dem 4./3. Jh. v. Chr. entfaltete es eine beachtliche Wirtschaftskraft in der Metall- und Tonverarbeitung. Schon im 16. Jahrhundert wurden in der Umgebung mehrere etruskische Bronzefiguren entdeckt, darunter auch die berühmte Chimäre von Arezzo – ein Mischwesen aus einem Löwen, einer Ziege und einer Schlange.
Perugia

Perugia gehörte im 4./3. Jh. v. Chr. zusammen mit Arezzo und Orvieto zu den drei mächtigsten Metropolen Etruriens. Seinen Wohlstand verdankte der Verkehrsknotenpunkt dem Handel, der Landwirtschaft, aber auch der Herstellung von Waffen und Rüstungen. Der Arco Etrusco in Perugia gehört zu den größten und am besten erhaltenen Toranlagen Etruriens. Neben etruskischen weist er römische Bauelemente und eine renaissancezeitliche Bauphase auf.
Orvieto

Orvieto, die auf einem steilen Felsplateau thronende Metropole Inneretruriens, war in der Antike berühmt als Sitz des Bundesheiligtums des Zwölfstädtebundes. In der römischen Kaiserzeit zählte es mit Arezzo und Perugia zu den drei wichtigsten etruskischen Städten. Der Tempel von Belvedere (5. Jh. v. Chr.) in Orvieto entspricht dem sog. Tuskanischen Typus mit dreigeteiltem Hauptraum und war wohl einer Göttertrias geweiht. Die Fundamente des Heiligtums sind heute noch zu sehen.
Chiusi

Chiusi war die wichtigste Metropole Inneretruriens mit einem großen politischen und kulturellen Einflussbereich. Sie galt als eine der wichtigsten Kunstzentren mit einer hochwertigen und kreativen, aber konservativen künstlerischen Produktion. Heute sind die etruskischen Funde aus Chiusi und Umgebung im Museo Archeologico Nazionale zu sehen. Entdecken Sie aber auch in unserer Ausstellung einige dieser wertvollen Exponate!
Vetulonia

Die nordetruskische Küstenstadt Vetulonia war im 7. Jh. v. Chr. das wichtigste Metallverarbeitungs- und Handelszentrum Etruriens, bedeutende Seehandelsmetropole und zu dieser Zeit auch eines der mächtigsten Mitglieder des Zwölfstädtebundes. In den 1980er Jahren wurde eine 3 m breite, kanalisierte Straße und Grundmauern von Häusern und Läden eines Stadtviertels (sog. Poggiarello Renzetti, 3.-1. Jh. v. Chr.) ausgegraben.
Populonia

Populonia liegt als einzige etruskische Stadt nicht im Landesinneren, sondern direkt an der tyrrhenischen Küste. Reiche Metallvorkommen sowie der intensive Handel mit Erzen begründeten den Reichtum der Industrie- und Handelsstadt von internationalem Ruf. Berühmte Fundstücke aus Populonia sind die Überreste eines Streitwagens aus einem Grab (Tomba die Carri). Eine Rekonstruktion dieses Wagens mit Originalteilen können Sie in der Ausstellung entdecken.
Volterra

Volterra, Gründungsmitglied des Zwölfstädtebundes, war das einzige größere Zentrum im Inneren Nordwestetruriens. Seine Glanzzeit als urbane und künstlerische Metropole von überregionaler Bedeutung erlebte es spät, ab dem 4. Jh. v. Chr. Das im Süden in die Stadtmauer eingebaute Stadttor (Porta all´Arco, 3.-2. Jh. v. Chr.) zählt zu den am besten erhaltenen Etruriens. Bei uns in der Ausstellung können Sie die berühmte Statuette „Ombra della Sera“ eines überlangen Jünglings aus Volterra betrachten.
Vulci

Vulci war vom Ende des 7. bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts eine der glanzvollsten südetruskischen Metropolen. Sein Reichtum zeigt sich in der Tatsache, dass es eines der produktivsten Kunstzentren und zugleich der bedeutendste Fundort attischer Importkeramik ist. Einzigartig sind Wandmalereien des nach seinem Entdecker benannten Kammergrabs, die Tomba François. Sie zeigen historische Szenen, Kämpfe zwischen Etruskern aus verschiedenen Städten.
Tarquinia

Tarquinia, nach legendärer Überlieferung vom etruskischen „Nationalhelden“ Tarchon gegründet, spielte über Jahrhunderte eine dominierende politische und kulturelle Rolle. Heute ist es vor allem aufgrund seiner Grabmalereien eine Hauptsehenswürdigkeit für Etrurienreisende. Die Wandmalereien der über 6000 Gräber der Monterozzi-Nekropole haben unser Wissen über etruskische Kultur und Kunst entscheidend geprägt. Daher ist die Nekropole seit 2004 UNESCO-Weltkulturerbe
Veji

Veji, führendes Mitglied des etruskischen Zwölfstädtebundes, zählte zu den bedeutendsten Städten Südetruriens. Sie war die große Konkurrentin Roms um Macht und Einfluss in der Region. Die Stadt besaß mit dem sog. Portonaccio-Tempel eines der berühmtesten Heiligtümer der etruskischen Welt. Statuen und dekorative Elemente dieses Tempels sind in unserer Ausstellung zu sehen.
Cerveteri

Die bedeutendste Stadt Südetruriens war eine der dynamischsten Metropolen des gesamten Mittelmeerraums mit einer vielfältigen kunsthandwerklichen Produktion. Cerveteri erlebte seine Blütezeit im 7./6. Jh. v. Chr. und die Einwohnerzahl jener Zeit wird auf 25.000 Menschen geschätzt. Die Nekropole auf dem Banditaccia-Plateau, die größte Etruriens, gehört seit 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

„Diese [die Etrusker] zeichneten sich früher durch ihre Tapferkeit aus, erwarben ein weites Land und gründeten viele ansehnliche Städte. In gleicher Weise waren sie auch in der Seefahrt groß und herrschten lange Zeit über das Meer.“

Diodor V 40 (griechischer Historiker, 1. Jh. v. Chr.)

Kunstwerke von Weltrang

und Raffinesse

— Die etruskischen Goldschmiede waren begnadete Künstler. Sie beherrschten die schwierigsten Techniken und erstellten eindrucksvolle Kunstwerke.

Der Rohstoff Gold war in Etrurien nicht vorhanden. Vermutlich stammte das Gold aus Mitteleuropa, von der Iberischen Halbinsel oder aus dem östlichen Mittelmeerraum. Die Goldartefakte des 8. Jh. v. Chr. waren relativ einfache Stücke wie Spiralen aus Golddraht als Zopfhalter oder Fibeln als Schmuck und zur Befestigung der Kleidung.

Ab Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. entstanden  qualitätsvolle Goldschmiedearbeiten im großen Stil. Wahrscheinlich haben die etruskischen Kunsthandwerker neue Techniken wie die Granulation (Verlötung winziger Goldkügelchen zu ornamentalem Dekor), das Filigran (mit Golddraht) sowie die Goldlaminierung von Objekten, aus dem östlichen Mittelmeerraum übernommen und perfektioniert.

Zahlreiche Prestigeobjekte in den Nekropolen Etruriens, z. B. Prunkfibeln, Halsketten mit Anhängern, Armreife, Ohrringe und Gefäße, zeugen von den besonderen Fertigkeiten, der Kreativität und dem Kunstsinn der etruskischen Goldschmiede.

„Die Dinge, die sie während der Jahrhunderte ihres Wohlstandes hervorbrachten (…) atmen eine gewisse Lebensfülle.“

D.H. Lawrence, Etruskische Stätten, 1932

Die Etrusker als Weltkultur
im antiken Italien

— Etruriens Lage am Mittelmeer war eine wichtige Voraussetzung für den Austausch mit anderen Kulturen. Die etruskischen Stadtstaaten und vor allem die Hafenstädte bildeten die Zentren der interkulturellen Begegnung. Häufig werden in archäologischen Ausgrabungen etruskischer Grabstätten Waren entdeckt, welche aus anderen Regionen des Mittelmeerraums importiert wurden.

Einige der frühesten Importe stammen aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. aus Sardinien. Mit den wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen erweiterten sich auch die internationalen Kontakte wie zum Beispiel mit den Griechen, Phöniziern, Puniern in Nordafrika oder den Kelten. Es handelt sich dabei zum einen um einen Austausch von Rohstoffen wie Bronze oder Eisen und von Handwerksarbeiten wie Keramik oder Schmuck.  Zum anderen geht es auch um den dynamischen Transfer von Wissen, Ideen und Personen, z. B. von Handwerkern und Kaufleuten.

Die Etrusker nahmen die fremden Einflüsse auf und formten sie zu ihrer eigenen, sehr spezifischen Identität um. Es entstand eine Mentalität, die mit anderen Zivilisationen globale Phänomene teilte und die etruskische Kultur zu einer Weltkultur machte.

Etruskische Zierplaketten aus importiertem Elfenbein mit Motiven bekannt aus dem östlichen Mittelmeerraum, aus Comeana

Bronzener etruskischer Dreifuß aus dem Grab einer keltischen Fürstin in Bad Dürkheim

Genuss in Etrurien:
Bankett und Wein

— Stimmungsvoll und fröhlich muten die Bankettdarstellungen auf Wandmalereien in etruskischen Gräbern an. Festlich gekleidet lagern Männer und Frauen auf Klinen (Liegemöbeln) und genießen Wein und Speisen. Akrobaten, Tänzer und Musikanten sorgen für Unterhaltung.

Das festliche Bankett veranschaulicht etruskische Lebenskultur: das repräsentative Tafeln ist nicht nur Ausdruck von Lebensfreude, sondern auch von Wohlstand und sozialem Prestige. Dies trifft auf das Diesseits wie möglicherweise auch auf das Jenseits zu. Der Wunsch nach einem glückseligen Jenseits wird mit zahlreichen Grabmalereien und Bildwerken wie Urnen oder Sarkophagen mit einem immerwährenden Festmahl symbolisiert.

Die Grabbeigaben und Malereien zeigen Alltagsgegenstände, die zum umfangreichen Bankettgeschirr und insbesondere zum Weingenuss gehören: Mischgefäße, um den Wein mit Wasser zu vermengen und mit Pinienharz, Rosmarin oder Thymian zu würzen. Unerlässlich waren Kannen und Schöpfkellen um Wein auszuschenken, Weinsiebe zum Filtern und Trinkschalen für den Genuss des edlen Tropfens.

Übrigens – nach neuesten Erkenntnissen haben die Etrusker den Weinanbau nach Frankreich gebracht. Santé!

„Sie (die Etrusker) lassen sich nämlich zweimal des Tages üppige Tafeln bereiten und alles übrige, was zu übertreibender Schwelgerei gehört; sie richten Lager aus Blüten her und haben eine Menge von allerlei silbernem Trinkgeschirr und eine nicht geringe Zahl von dienenden Hausgenossen angeschafft.“

Diodor V 40 (griechischer Historiker, 1. Jh. v. Chr.)

Etruskische Frauen

— Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern gab es in der Antike nie. Das politische, soziale und wirtschaftliche Leben war immer und überall von Männern dominiert. Für die etruskische Kultur wird jedoch häufig eine besondere Wertschätzung der Frau postuliert bzw. eine große Bedeutung von Ehe und Familie. Einen Hinweis darauf könnten Bildwerke die Ehepaare in liebevoller Umarmung zeigen. Inschriften zeigen, dass ein Etrusker als Namenszusatz und Abstammungsnachweis nicht nur den Namen seines Vaters, sondern auch den der Mutter tragen konnte.

Am Thema Frauen exemplifizieren sich die Unterschiede in Mentalität und im Sozialleben von Griechen und Etruskern, aber auch die damit zusammenhängenden Missverständnisse: Die Etruskerinnen durften z.B. gemeinsam mit den Männern an den festlichen Banketten teilnehmen – ein Skandal in den Augen der Griechen, welche die etruskischen Frauen nicht nur als eitel und „schön“ ansahen. Sondern sie apostrophierten sie auch als „trinkfest“ und verglichen sie mit Prostituierten.

„Etruskische Frauen (...) kümmern sich sehr um die Pflege des Leibes und (...) speisen nicht an der Seite ihrer eigenen Männer, sondern mit wem sie gerade zusammenkommen, und trinken zu, wem immer sie wollen. Sie sind äußerst trinkfest und sehr schön.“

Diodor V 40 (griechischer Historiker, 1. Jh. v. Chr.)

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Etrurien-Karte mit Fundorten

Wer waren die Etrusker?

— Toscana – der Name dieser Landschaft erinnert noch heute an jenes Volk, das in der Antike dort lebte: die Tusci oder Etrusci wie die Römer die Etrusker nannten.

Woher kamen die Etrusker? Darüber waren sich selbst antike Gelehrte nicht einig: Waren sie Ureinwohner Italiens oder Einwanderer aus Kleinasien, von der heutigen Westküste der Türkei? Diese Frage konnte auch die moderne Wissenschaft bisher nicht lösen. Sicher ist: Sie lebten vom 10. bis 1. Jahrhundert v. Chr. in Mittelitalien, auf dem Boden der heutigen Toskana, Latiums, Umbriens, der Emilia-Romagna und Teilen Kampaniens.

Den Etruskern verdanken wir die erste Hochkultur Italiens. Was wir über sie wissen, stammt aus der Feder nicht immer wohlgesonnener Nachbarn, der Griechen und Römer. Da wird von trinkfesten Frauen, fetten Männern und ausschweifenden Gelagen gesprochen. Andererseits werden die Etrusker auch als mächtig, göttergläubig und als religiöse Experten bezeichnet. Ihr kulturelles Erbe, wie faszinierende Wandmalereien, monumentale Grabbauten und prachtvolle Grabbeigaben ermöglicht Einblicke in ihre vielfältige Alltagskultur mit hoher Lebensqualität.

„ … uraltes und aufgrund der Sprache und der Gebräuche von allen anderen sich unterscheidendes Volk.“

Dionysios von Halikarnassos I 30

Etrurien und seine Städte

— Die Bevölkerung Etruriens wohnte in der frühen Villanovazeit (9.–8. Jahrhundert v. Chr., eisenzeitliche Kultur) in kleineren Ansiedlungen. Nach stetigem wirtschaftlichem Wachstum entwickelten sich diese etwa bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. zu etruskischen Städten.

Die Städte hatten eine eigene politische Verwaltung und waren wirtschaftlich und militärisch unabhängig. Deshalb nennt man sie Stadtstaaten. Das heißt, es bestand nie ein einziges großes Etruskerreich, sondern es existierten verschiedene etruskische Stadtstaaten mit den ihnen zugehörigen Gebieten. Im Kernland der Etrusker zwischen Arno und Tiber gab es ein dichtes Netz solcher Stadtstaaten, das mit der Erweiterung des etruskischen Einflussgebietes im Norden und Süden größer wurde.

Wichtige Metropolen schlossen sich zu einem Zwölfstädtebund zusammen. Es handelt sich dabei um eine Interessensgemeinschaft, die sich regelmäßig in einem Heiligtum, dem berühmten Fanum Voltumnae in Orvieto traf und wohl zu religiösen, vielleicht auch politischen Themen abstimmte.

Etrurien-Karte mit Fundorten

„Diese [die Etrusker] zeichneten sich früher durch ihre Tapferkeit aus, erwarben ein weites Land und gründeten viele ansehnliche Städte. In gleicher Weise waren sie auch in der Seefahrt groß und herrschten lange Zeit über das Meer.“

Diodor V 40 (griechischer Historiker, 1. Jh. v. Chr.)

Kunstwerke von Weltrang

und Raffinesse

— Die etruskischen Goldschmiede waren begnadete Künstler. Sie beherrschten die schwierigsten Techniken und erstellten eindrucksvolle Kunstwerke.

Der Rohstoff Gold war in Etrurien nicht vorhanden. Vermutlich stammte das Gold aus Mitteleuropa, von der Iberischen Halbinsel oder aus dem östlichen Mittelmeerraum. Die Goldartefakte des 8. Jh. v. Chr. waren relativ einfache Stücke wie Spiralen aus Golddraht als Zopfhalter oder Fibeln als Schmuck und zur Befestigung der Kleidung.

Ab Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. entstanden  qualitätsvolle Goldschmiedearbeiten im großen Stil. Wahrscheinlich haben die etruskischen Kunsthandwerker neue Techniken wie die Granulation (Verlötung winziger Goldkügelchen zu ornamentalem Dekor), das Filigran (mit Golddraht) sowie die Goldlaminierung von Objekten, aus dem östlichen Mittelmeerraum übernommen und perfektioniert.

Zahlreiche Prestigeobjekte in den Nekropolen Etruriens, z. B. Prunkfibeln, Halsketten mit Anhängern, Armreife, Ohrringe und Gefäße, zeugen von den besonderen Fertigkeiten, der Kreativität und dem Kunstsinn der etruskischen Goldschmiede.

Die Etrusker als Weltkultur im antiken Italien

— Etruriens Lage am Mittelmeer war eine wichtige Voraussetzung für den Austausch mit anderen Kulturen. Die etruskischen Stadtstaaten und vor allem die Hafenstädte bildeten die Zentren der interkulturellen Begegnung. Häufig werden in archäologischen Ausgrabungen etruskischer Grabstätten Waren entdeckt, welche aus anderen Regionen des Mittelmeerraums importiert wurden.

Einige der frühesten Importe stammen aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. aus Sardinien. Mit den wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen erweiterten sich auch die internationalen Kontakte wie zum Beispiel mit den Griechen, Phöniziern, Puniern in Nordafrika oder den Kelten. Es handelt sich dabei zum einen um einen Austausch von Rohstoffen wie Bronze oder Eisen und von Handwerksarbeiten wie Keramik oder Schmuck.  Zum anderen geht es auch um den dynamischen Transfer von Wissen, Ideen und Personen, z. B. von Handwerkern und Kaufleuten.

Die Etrusker nahmen die fremden Einflüsse auf und formten sie zu ihrer eigenen, sehr spezifischen Identität um. Es entstand eine Mentalität, die mit anderen Zivilisationen globale Phänomene teilte und die etruskische Kultur zu einer Weltkultur machte.

Genuss in Etrurien:
Bankett und Wein

— Stimmungsvoll und fröhlich muten die Bankettdarstellungen auf Wandmalereien in etruskischen Gräbern an. Festlich gekleidet lagern Männer und Frauen auf Klinen (Liegemöbeln) und genießen Wein und Speisen. Akrobaten, Tänzer und Musikanten sorgen für Unterhaltung.

Das festliche Bankett veranschaulicht etruskische Lebenskultur: das repräsentative Tafeln ist nicht nur Ausdruck von Lebensfreude, sondern auch von Wohlstand und sozialem Prestige. Dies trifft auf das Diesseits wie möglicherweise auch auf das Jenseits zu. Der Wunsch nach einem glückseligen Jenseits wird mit zahlreichen Grabmalereien und Bildwerken wie Urnen oder Sarkophagen mit einem immerwährenden Festmahl symbolisiert.

Die Grabbeigaben und Malereien zeigen Alltagsgegenstände, die zum umfangreichen Bankettgeschirr und insbesondere zum Weingenuss gehören: Mischgefäße, um den Wein mit Wasser zu vermengen und mit Pinienharz, Rosmarin oder Thymian zu würzen. Unerlässlich waren Kannen und Schöpfkellen um Wein auszuschenken, Weinsiebe zum Filtern und Trinkschalen für den Genuss des edlen Tropfens.

Übrigens – nach neuesten Erkenntnissen haben die Etrusker den Weinanbau nach Frankreich gebracht. Santé!

„Sie (die Etrusker) lassen sich nämlich zweimal des Tages üppige Tafeln bereiten und alles übrige, was zu übertreibender Schwelgerei gehört; sie richten Lager aus Blüten her und haben eine Menge von allerlei silbernem Trinkgeschirr und eine nicht geringe Zahl von dienenden Hausgenossen angeschafft.“

Diodor V 40 (griechischer Historiker, 1. Jh. v. Chr.)

Etruskische Frauen

— Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern gab es in der Antike nie. Das politische, soziale und wirtschaftliche Leben war immer und überall von Männern dominiert. Für die etruskische Kultur wird jedoch häufig eine besondere Wertschätzung der Frau postuliert bzw. eine große Bedeutung von Ehe und Familie. Einen Hinweis darauf könnten Bildwerke die Ehepaare in liebevoller Umarmung zeigen. Inschriften zeigen, dass ein Etrusker als Namens-zusatz und Abstammungsnachweis nicht nur den Namen seines Vaters, sondern auch den der Mutter tragen konnte.

Am Thema Frauen exemplifizieren sich die Unterschiede in Mentalität und im Sozialleben von Griechen und Etruskern, aber auch die damit zusammenhängenden Missverständnisse: Die Etruskerinnen durften z.B. gemeinsam mit den Männern an den festlichen Banketten teilnehmen – ein Skandal in den Augen der Griechen, welche die etruskischen Frauen nicht nur als eitel und „schön“ ansahen. Sondern sie apostrophierten sie auch als „trinkfest“ und verglichen sie mit Prostituierten.

„Etruskische Frauen (...) kümmern sich sehr um die Pflege des Leibes und (...) speisen nicht an der Seite ihrer eigenen Männer, sondern mit wem sie gerade zusammenkommen, und trinken zu, wem immer sie wollen. Sie sind äußerst trinkfest und sehr schön.“

Diodor V 40 (griechischer Historiker, 1. Jh. v. Chr.)